Roatán und West Bay: Zwischen Riff und Hängematte

West Bay auf Roatán mit Holzsteg

Roatán ist die grösste der Bay Islands: rund 75 Kilometer lang und meist nur wenige Kilometer breit. Ganz im Westen liegt West Bay, ein langer, heller Sandstrand, an dem das Wasser so ruhig ist, dass Kinder darin planschen und Schnorchler direkt vom Ufer aus starten können.

Das Riff beginnt am Strand

Vor der Küste verläuft das Mesoamerikanische Barriereriff, das sich von Mexiko bis Honduras zieht und nach dem Great Barrier Reef das zweitgrösste der Welt ist. Schon nach wenigen Flossenschlägen siehst du Hirnkorallen, Papageifische und mit etwas Glück eine Karettschildkröte. Verwende bitte nur riffschonende Sonnencreme und berühre nichts: Das Riff ist empfindlich.

West End: Abends unter Palmen

Zu Fuss am Strand entlang oder mit dem Wassertaxi erreichst du West End, das entspanntere Dorf nebenan. Hier gibt es Tauchschulen, kleine Bars am Steg und Fisch vom Grill. Wer länger bleibt, mietet ein Holzhaus mit Veranda und lässt den Tag in der Hängematte ausklingen.

Ausflug zu den Cayos Cochinos

Ein lohnender Tagesausflug führt zu den Cayos Cochinos: zwei kleine Inseln und dreizehn Cays zwischen Roatán und dem Festland. Das Gebiet ist ein Meeresschutzgebiet. Auf dem Cay Chachahuate lebt eine Garífuna-Gemeinschaft, die Gäste mit frischem Fisch, Kokosreis und frittierten Kochbananen bewirtet.

Copán: Die Stadt der Maya-Könige

Gemeisselte Maya-Stele in Copán

Wer im Tal von Copán ankommt, hört zuerst die Aras. Die roten Papageien (der Guara Roja ist der Nationalvogel von Honduras) kreisen über dem Eingang der Ausgrabungsstätte, als würden sie jeden Besuch persönlich begrüssen. Wenige Schritte weiter öffnet sich die Grosse Plaza, und plötzlich stehst du vor Stelen, die vor mehr als 1200 Jahren aus vulkanischem Tuffstein gemeisselt wurden.

Eine Dynastie mit sechzehn Herrschern

Copán war über vier Jahrhunderte das politische und künstlerische Zentrum im Südosten der Maya-Welt. Gegründet wurde die Dynastie im Jahr 426 von K’inich Yax K’uk’ Mo’. Auf dem berühmten Altar Q sind alle sechzehn Herrscher nebeneinander dargestellt: eine Ahnengalerie in Stein, die der letzte grosse König Yax Pasaj in Auftrag gab, um seine eigene Macht zu festigen.

Die Hieroglyphentreppe

Das bekannteste Bauwerk ist die Hieroglyphentreppe: über sechzig Stufen mit mehr als 2000 Schriftzeichen, der längste bekannte Text der Maya. Sie erzählt die Geschichte der Königsfamilie und ist heute unter einem Schutzdach gesichert. Gleich daneben stehen die Stelen von Uaxaclajuun Ub’aah K’awiil, besser bekannt als «18 Kaninchen». Seine Porträts gehören zu den plastischsten Skulpturen der Maya-Kunst. Im Jahr 738 wurde er vom Herrscher des benachbarten Quiriguá gefangen genommen.

Tipps für deinen Besuch

Komm früh am Morgen, wenn das Licht weich ist und die Tagesgruppen noch unterwegs sind. Plane mindestens einen halben Tag ein und besuche auch das Skulpturenmuseum mit der originalgetreuen Nachbildung des Rosalila-Tempels. Übernachten kannst du im kopfsteingepflasterten Städtchen Copán Ruinas, nur gut einen Kilometer entfernt. Seit 1980 gehört die Stätte zum UNESCO-Welterbe.

Utila: Schnorcheln mit Walhaien

Taucher am Korallenriff vor Utila

Plötzlich ruft der Kapitän «¡Tiburón ballena!», und auf dem Boot wird es still. Unter der Wasseroberfläche gleitet ein Schatten vorbei, so lang wie ein Bus, mit weissen Punkten auf dem Rücken. Utila, die kleinste der drei grossen Bay Islands, gehört zu den wenigen Orten der Welt, an denen Walhaie das ganze Jahr über beobachtet werden.

Sanfte Riesen

Walhaie werden über zwölf Meter lang, ernähren sich aber ausschliesslich von Plankton und kleinen Fischen. Vor Utila folgen sie den Fischschwärmen, die das Wasser vor der Nordküste zum Brodeln bringen. Besonders häufig sind Sichtungen im Frühling und im Spätherbst, eine Garantie gibt es aber nie.

Regeln für eine respektvolle Begegnung

Mit Walhaien wird nur geschnorchelt, nicht getaucht. Halte mindestens drei Meter Abstand, berühre die Tiere nicht und lass dem Hai immer den Weg frei. Seriöse Anbieter schicken nur kleine Gruppen ins Wasser und unterstützen die Forschung auf der Insel, die Sichtungen dokumentiert und Fotos zur Bestimmung einzelner Tiere sammelt.

Tauchen lernen auf Utila

Utila gilt als einer der günstigsten Orte der Karibik für einen Tauchkurs. Die Riffe liegen nah, das Wasser ist warm und die Stimmung im Hauptort entspannt. Die Fähre ab La Ceiba braucht etwa eine Stunde.

Lago de Yojoa: Seeblick, Wasserfall und Hochlandkaffee

Lago de Yojoa bei Sonnenuntergang

Auf halbem Weg zwischen San Pedro Sula und Tegucigalpa liegt der Lago de Yojoa, eingebettet zwischen zwei Nationalparks: Cerro Azul Meámbar im Osten und Santa Bárbara im Westen. Morgens liegt oft Nebel über dem Wasser, und von den Ufern steigen Reiher und Eisvögel auf. Rund um den See wurden über 400 Vogelarten beobachtet.

Pescado frito am Seeufer

Entlang der Strasse am Ostufer reiht sich ein Fischstand an den nächsten. Bestellt wird ganz einfach: ein frittierter Tilapia, dazu Tajadas (knusprige Kochbananenscheiben), eingelegte Zwiebeln und Limetten. Gegessen wird mit den Fingern, mit Blick aufs Wasser.

Pulhapanzak: Hinter dem Wasserfall

Nur eine halbe Stunde nördlich stürzt der Río Lindo über 40 Meter in die Tiefe. Mit einem Guide aus dem Dorf kletterst du durch die Gischt hinter den Wasservorhang. Nass wirst du garantiert, vergessen wirst du es nie.

Kaffee aus dem Hochland

Honduras ist der grösste Kaffeeproduzent Zentralamerikas, und viele Fincas liegen in den Bergen rund um den See. Bei einer Führung siehst du, wie die roten Kirschen von Hand gepflückt, gewaschen und an der Sonne getrocknet werden. Danach schmeckt die Tasse im Hotel gleich doppelt so gut.

Pico Bonito: Durch den Nebelwald bis zur Lodge

Wanderer über dem Nebelwald von Pico Bonito

Von der Karibikstadt La Ceiba aus siehst du ihn an klaren Tagen: den Pico Bonito, rund 2400 Meter hoch und meist mit einer Wolkenkappe. Der gleichnamige Nationalpark gehört zu den grössten Schutzgebieten des Landes und reicht vom tropischen Tieflandwald bis hinauf in den Nebelwald.

Wandern im Nebelwald

Die Wege im Park sind steil und oft feucht, belohnen aber mit Baumriesen, Bromelien und dem Ruf der Brüllaffen. Für längere Touren brauchst du einen Guide aus dem Tal des Río Cangrejal. Er zeigt dir Pfeilgiftfrösche, Tukane und die schönsten Badestellen im glasklaren Fluss.

Zipline und Wildwasser

Wer es schneller mag, fliegt an Stahlseilen von Baumkrone zu Baumkrone oder paddelt im Schlauchboot den Río Cangrejal hinunter. Die Stromschnellen gehören zu den besten in Zentralamerika, am spannendsten sind sie nach der Regenzeit.

Übernachten in der Eco-Lodge

Im Tal verteilen sich kleine Lodges mit Holzbungalows, Hängebrücken und Frühstück auf der Terrasse. Abends hörst du nur den Fluss und die Zikaden. Wer danach noch weiter will: Von La Ceiba fliegen Kleinflugzeuge in die Moskitia, eines der grössten Regenwaldgebiete Zentralamerikas mit dem Biosphärenreservat Río Plátano, seit 1982 UNESCO-Welterbe.

Celaque: Aufstieg zum Dach von Honduras

Wandernde im Nebelwald von Celaque

Celaque bedeutet in der Sprache der Lenca so viel wie «Kiste aus Wasser». Der Name passt: Im Bergmassiv westlich von Gracias entspringen zahlreiche Flüsse, die einen grossen Teil von Westhonduras mit Wasser versorgen. Mitten darin liegt der Cerro Las Minas, mit rund 2850 Metern der höchste Gipfel des Landes.

Zwei Tage bis zum Gipfel

Der Weg beginnt beim Besucherzentrum auf etwa 1400 Metern. Zuerst geht es durch lichten Kiefernwald, dann wird es feuchter und grüner: Moos hängt in langen Bärten von den Ästen, und Baumfarne wachsen höher als ein Haus. Die meisten übernachten im Camp auf halber Strecke und steigen am zweiten Tag zum Gipfel und wieder ab.

Gut vorbereitet

Nachts kann es hier oben empfindlich kalt werden. Nimm warme Kleidung, Regenschutz und einen guten Schlafsack mit. Ein lokaler Guide kennt die Abzweigungen im Nebel und erzählt dir unterwegs vom Quetzal, der hier mit etwas Glück zu sehen ist.

Gracias: Der perfekte Ausgangspunkt

Das Kolonialstädtchen Gracias war im 16. Jahrhundert für einige Jahre Sitz der Audiencia de los Confines, der spanischen Verwaltung für ganz Zentralamerika. Heute ist es ruhig und freundlich und hat ein grosses Plus für müde Beine: die heissen Quellen am Stadtrand.

Semana Santa in Comayagua: Teppiche aus Sägemehl

Sägemehlteppiche in Comayagua

Comayagua war bis 1880 die Hauptstadt von Honduras, und das sieht man bis heute: weisse Kirchen, Arkaden und eine Plaza, auf der abends die halbe Stadt zusammenkommt. Am eindrücklichsten ist ein Besuch in der Karwoche, der Semana Santa.

Eine Nacht für die Alfombras

Am Gründonnerstag beginnen Familien, Schulklassen und Nachbarschaften mit ihren Alfombras: Teppichen aus gefärbtem Sägemehl, Blüten, Reis und Salz. Mit Schablonen entstehen über Stunden Heiligenbilder, Ornamente und Szenen aus der Passion. Am Karfreitag zieht die Prozession darüber hinweg, und von den Kunstwerken bleibt nur bunter Staub. Genau das gehört dazu.

Die Kathedrale und ihre Uhr

Die Kathedrale an der Plaza Central beherbergt eine Turmuhr, die als eine der ältesten noch laufenden Uhren der Welt gilt. Sie stammt aus Spanien und schlägt seit dem 17. Jahrhundert in Comayagua. Der Blick vom Glockenturm über die Dächer lohnt sich.

Was in der Karwoche auf den Tisch kommt

In der Semana Santa verzichten viele Familien auf Fleisch. Dafür gibt es getrockneten Fisch, Suppen und Süsses wie Torrejas: in Ei ausgebackenes Brot, das in Zuckersirup mit Zimt und Nelken getränkt wird. Am besten probierst du sie bei einer Familie, die dich auf einen Kaffee hereinbittet.

Garífuna-Küste: Trommeln, Tapado und Baleadas

Garífuna-Frau am Karibikstrand

Die Geschichte der Garífuna beginnt auf der Karibikinsel St. Vincent, wo westafrikanische und indigene karibische Gemeinschaften zusammenfanden. 1797 wurden sie von den Briten nach Roatán deportiert und siedelten sich von dort entlang der Küste von Honduras an. Ihre Sprache, Musik und Tänze gehören seit 2001 zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO.

Dörfer am Meer

In Orten wie Triunfo de la Cruz, Sambo Creek oder Corozal stehen bunte Holzhäuser direkt am Strand, Fischerboote liegen im Sand, und aus den Lautsprechern kommt Punta. Am 12. April feiern die Gemeinschaften die Ankunft ihrer Vorfahren mit Trommeln, Tanz und nachgespielten Landungen am Strand.

Tapado und Hudut

Die Küche der Garífuna dreht sich um Kokos, Fisch und Kochbananen. Tapado ist ein Eintopf mit Meeresfrüchten, Kokosmilch und Yuca, Hudut ein Fisch in Kokosbrühe mit gestampften Kochbananen. Dazu gibt es Casabe, ein dünnes Fladenbrot aus Maniok, und Pan de Coco frisch aus dem Ofen.

Die perfekte Baleada

An der Nordküste wird auch die Baleada geliebt, das inoffizielle Nationalgericht: eine Weizentortilla mit pürierten roten Bohnen, Rahm und geriebenem Hartkäse. «Con todo» kommen Ei, Avocado und Fleisch dazu. Die besten gibt es frühmorgens an kleinen Ständen, frisch vom Comal und für wenig Geld.

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